„Wir bauen Brücken“ - Ausstellung zur Flüchtlingsarbeit im Rathaus
Seit zehn Jahren unterstützt der Förderverein „Freundeskreis der Mühlheimer
Flüchtlinge“ die Arbeit mit Geflüchteten in der Mühlenstadt. Aus diesem Anlass wird
zurzeit eine Dokumentation über die Arbeit der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe im
Foyer des Rathauses gezeigt. Die Ausstellung beendet das Jubiläumsjahr des
Fördervereins.

Ein Blick zurück: Binnen weniger Monate kamen 2014 / 2015 Hunderttausende
Geflüchtete ins Land. Es wurden allerorts Strukturen aufgebaut, professionelles
Know-how entwickelt und vor allem die Zivilgesellschaft wurde bei der Aufnahme der
Menschen mit eingebunden.
So auch in Mühlheim am Main. Hier sind vor allem die Engagement-Losten zu
nennen, die mit einer Infowoche im März 2014 die Mühlheimer Bevölkerung auf die
Ankunft der Geflüchteten vorbereitet haben. Viele Menschen waren bereit zu helfen.
2014 waren es über 200 Mühlheimer Bürgerinnen und Bürger, die sich engagiert
haben: Patenschaften, Hauspaten, Deutschkurse, die Hausaufgabenhilfe, die
Sachspendenausgabe (heute Sozialladen), eine Spielgruppe für Kinder wurden
initiiert. Mit der Zeit kam das Kontakt-Café im Kontakt-Werk hinzu. Die ehrenamtliche
Fahrradwerkstatt, Kunst- und Sportprojekte, Blogs, die Geflüchtete vorstellen, und
vieles mehr ist auf den Weg gebracht worden.
Und vor allem ging und geht es um Begegnungen:
Besuche bei der Polizei, Feuerwehr, Moscheen und Kirchen, Café International,
gemeinsame Feste oder Kaffeenachmittage sowie gemeinsame Freizeitaktivitäten
schafften in Mühlheim Vertrauen und Interesse füreinander.
Bürgermeister Dr. Krey lobte bei der Ausstellungseröffnung die geleistete Arbeit.
Vielfach seien Verwaltung und Ehrenamtliche damals herausgefordert gewesen, die
spürbar steigende Flüchtlingszahlen zu bewältigen, was den Aufbau spezialisierter
Abteilungen zur Wohnraumsicherung, Unterbringung und Koordination von
ehrenamtlichem Engagement erforderlich machte. Die Verwaltungsstrukturen waren
darauf nicht vorbereitet und mussten in kurzer Zeit angepasst werden. Dr. Krey
erinnerte an das Motto: „Wir bauen Brücken“. Das Engagement von freiwilligen
Akteurinnen und Akteuren habe entscheidend dazu beigetragen, Aufnahme sowie
auch in der Begleitung die ersten Integrationsschritte zu bewältigen.
Ilse Müller, selbst seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit engagiert,
ging in ihrer Eröffnungsrede darauf ein, dass sich inzwischen die gesellschaftliche
Stimmung verschlechtert habe und von der damaligen Willkommenskultur wenig
übriggeblieben sei. Das hätte viele Gründe. Es gebe zum Beispiel eine
„Migrantisierung“ sozialer Fragen: „Wenn Klassenzimmer überfüllt sind oder
Wohnraum fehlt, wird schnell Migration als Ursache benannt. Dabei würde es auch
ohne Migration an bezahlbarem Wohnraum fehlen – und das Bildungssystem sei
ebenso reformbedürftig“, so die engagierte Mühlheimerin.
Ilse Müller führte aus: „Auch in Zeiten hitziger Debatten über Zuwanderung und Asyl
steht Mühlheim aber für ein kontinuierliches Engagement vom Ankommen bis zum
gesellschaftlichen Miteinander. Mühlheim hat hier viele Erfolgsgeschichten
geschrieben. Die Geschichte von Flucht und Einwanderung ist noch nicht zu Ende
erzählt. Wie es weitergeht, liegt in unseren Händen.“
Die Ausstellung „Wir bauen Brücken“ ist noch bis zum 6. Februar 2026 im Foyer zu
den bekannten Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen.
